Reflexion – Web 2.0

Juni 2, 2008

Wir haben im Zuge der LV viel darüber gehört, was unter Web 2.0 verstanden und was mit Web 2.0 gemacht wird, haben das Lob gehört, die Interaktivität gepriesen, aber was ist mit den Schattenseiten?

Web 2.0 stellt ein Konzept dar, das mit seinem ungehemmten Informationsfluss und der Ausbreitung von Ideen ohne sich einer Unterdrückung ausgesetzt zu sehen, danach strebt, das Internet zu demokratisieren. Man ist nicht mehr nur auf eine Informationsquelle angewiesen, man kann sich durch eine Unzahl von Verzweigungen die Informationen zusammensuchen, die für einen wichtig sind – von einer beliebigen Anzahl (hoffentlich) unabhängiger Quellen. Das Wichtige hier ist, dass einem mehrere Perspektiven zur Verfügung stehen – und im Gegensatz zu anderen Massenmedien wie den Printmedien steht hier keine Regierung oder Firma dahinter.

Umfassend ist die Präsenz dieser Lobreden und Vorteilslisten, wenn Web 2.0 diskutiert wird, aber ironischerweise widerspricht sich die Berichterstattung selber, indem sie die Schattenseiten unter den Tisch fallen oder in der Ecke verenden lässt. Im Folgenden möchte ich lediglich ein paar der Aspekte ansprechen, die ich für bedenklich halte.

  • Abhängigkeit wird entstehen, wenn man gewohnt ist, dass man jederzeit an alle Information kommt, ohne direkt eine Gegenleistung erbringen zu müssen (mal abgesehen von den ISP-Kosten). Was aber, wenn das eigene Netzwerk zusammenbricht? Das Modem versagt? Oder, wenn mit der eigenen Technik alles stimmt, auf der Gegenseite etwas versagt? Man kommt auf einmal nicht mehr an die Information, deren prompte Lieferung man so gewohnt war.
  • Angreifbarkeit wird ein Problem werden – der Löwenanteil der Tools, die in Web 2.0 verwendet und zur Verfügung gestellt werden, sind frei verfügbar. Damit gibt man sich aber Attacken von böswilligen Außenstehenden, oder schlimmer noch, übereifrigen Konkurrenten hin – und wer bietet schon einen Garantie- oder Ersatzanspruch auf etwas, das gratis zur Verfügung gestellt wird? Dazu kommt, dass gerade weil kein unmittelbarer Profit darin zu sehen ist, die Sicherheit dieser kostenlosen Dienste ein Basisniveau nicht überschreiten wird.
  • Einschichtigkeit der digitalen Datenspeicherung verheißt auch Probleme, denn unabhängig davon, wie das Internet sich weiterentwickelt, ein Festplattencrash zur „rechten“ Zeit kann immer noch die Arbeit von Monaten zunichte machen, wenn er bei einem selbst passiert, gleich wie er plötzlich ein ganzes Informationsnetz ruinieren kann, wenn er serverseitig auftreten sollte. Wie bereits vorhin angesprochen, sind Backup-, Garantie- und Ersatzleistungen meist nicht vorhanden.
  • Rentabilität ist schließlich noch eine Konstante, die man nicht vernachlässigen darf. Die üblichen Copyrightverletzungen mal beiseite, was passiert, wenn man jegliche persönliche Leistung zugänglich macht, und bestenfalls Anerkennung erntet? Es ist unvermeidbar, die Schwelle zu erreichen, an der Ruhm einfach anderen Vergütungen weichen muss, da sonst kein Profit erreicht werden kann. Und ich will gar nicht erst damit anfangen, wie freigegebene Inhalte von profitgierigen Dritten missbraucht werden können.

All diese Punkte sind nicht „nur“ Stolpersteine, die den Usern im Weg stehen; sie sind leider auch ein Werkzeug derer, die diese Services anbieten. Für micht ist es nur eine Frage der Zeit, bis man mit der Vermarktung dieser Nachteile beginnen wird; bis man mit der Unsicherheit und Angst derer spielt, die den Content generieren. Ich bezweifle hier nicht, dass die kostenlosen Services von heute kostenlos bleiben, aber die ganzen Maßnahmen, um sich technisch und inhaltlich zu schützen, werden Subjekt des Profits werden.

Und dazu kommt natürlich noch die Werbung, die Betreiber (zurecht) auf ihren Gratisangeboten schalten. Hier muss auch erwähnt werden, dass Seiten wie Deviantart sich grundsätzlich die Vermarktungsrechte der unter ihrem Label veröffentlichten Werke vorbehalten. Auf die kürzeste und zugleich passendste Zusammenfassung dessen, was Web 2.0 werden wird, bin ich auf eine bekannte Zitateseite gestoßen:

„you make all the content. they keep all the revenue.“

Mit diesem für manche zynisch wirkenden, mir aber angebracht erscheinden Zitat soll diese Reflexion jetzt ausklingen, in der Hoffnung, den ein oder anderen kritischen Gedanken erweckt zu haben.

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Eine Antwort to “Reflexion – Web 2.0”

  1. innblog said

    Wichtige Punkte, welche nicht unter den Tisch fallen sollten. Danke für die Auflistung einiger ‚Stolpersteine‘.

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